
DMV Goodyear Racing Days - Nürburgring - ADAC Historic Cup Ost
Einleitung – Premiere auf legendärem Asphalt
Mein erstes Rennwochenende auf dem Nürburgring – einer der anspruchsvollsten und traditionsreichsten Rennstrecken Europas – war für mich eine echte Feuertaufe. Im Rahmen der Läufe 3 und 4 des ADAC Historic Cup Ost stand ich mit meinem Estonia 25 in der Formel Mondial bis 1600 ccm am Start. Mein Ziel war klar: Ich wollte Punkte sammeln, meinen dritten Meisterschaftsplatz absichern – und vor allem heil durchkommen. Dass ich dieses Wochenende als Rennsieger verlassen würde, hätte ich mir nie träumen lassen…
Freies Training –
Ankommen & Abstimmen
Die erste Session am Freitag fand unter trockenen Bedingungen statt. Für mich bedeutete das vor allem: Strecke kennenlernen, Bremspunkte finden, Referenzen aufbauen. Neben dem persönlichen Lernen galt es, das leicht angepasste Fahrwerk und die Technik zu überprüfen – insbesondere das Zusammenspiel von Motor und Getriebe.
Trotz Neuland unter den Rädern kam ich mit einem soliden Gesamtrang 5 zurück an die Box. Es fehlte allerdings spürbar an Leistung auf den langen Geraden. Also entschieden wir uns, für das Zeittraining eine neue Bedüsung der Vergaser zu testen.


Zeittraining –
Griff ins Leere
Die Idee war gut, die Umsetzung weniger: Der Motor lief durch die fettere Abstimmung zu unsauber, kam obenrum überhaupt nicht mehr auf Touren. Statt einem Leistungsschub hatten wir eine ziemliche Notlösung auf der Strecke – das Resultat war ein enttäuschender 6. Platz, mit über acht Sekunden Rückstand zur Spitze. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen.
Kurz vor dem ersten Rennen kehrten wir zur ursprünglichen Bedüsung zurück, montierten andere Reifen – und ich stellte mich mental auf Angriff ein.
Rennen 1 (Trocken) –
Angriff mit Biss
In der Formationsrunde brachte ich die Reifen ordentlich auf Temperatur. Dann folgte ein sauberer Start, und schon in der ersten Runde konnte ich spektakulär auf P5 vorfahren. Nur eine Runde später schnappte ich mir im Ausgang der Michael-Schumacher-S auch Position 4 – nahezu an derselben Stelle.
Das Spitzentrio war nun in Sichtweite. Ich konnte aufschließen und setzte den Drittplatzierten über mehrere Runden stark unter Druck. Teilweise war ich sogar außen daneben in den Kurven, aber auf den langen Geraden machte sich mein Leistungsnachteil bemerkbar – ich wurde immer wieder abgefangen. Trotz allem beendete ich das Rennen auf Platz 4 – mit fast identischen Rundenzeiten zu Platz 2 und 3.
Ein großartiges Ergebnis, mit dem ich nicht nur zufrieden, sondern richtig stolz war. In der Meisterschaft konnte ich damit wertvolle Punkte sichern – weiterhin Platz 3 in der Gesamtwertung.


Rennen 2 (Regen) –
Der Durchbruch
Sonntagmorgen: Regen. Viel Regen. Von Platz 4 gestartet, erwischte ich einen perfekten Start, machte gleich einen Platz gut – und schob mich in Kurve zwei innen an den Zweitplatzierten vorbei.
Ich hatte sofort ein unglaublich gutes Gefühl im Auto. Schon in Runde 1 machte ich Druck auf den Führenden, beobachtete seine Linie genau und nutzte in der letzten Kurve die Gelegenheit, mich daneben zu setzen. Es fehlte wie im Trockenen etwas an Motorleistung – doch diesmal reichte es: In der zweiten Kurve setzte ich mich innen durch und übernahm die Führung.
Schon wenige Kurven später hatte ich mir einen so großen Vorsprung herausgefahren, dass ich auf der langen Geraden nicht mehr attackiert wurde. Ich konnte mein eigenes Tempo fahren – und zog davon.
Runde um Runde baute ich den Abstand aus. Keine Fehler, kein Rutschen, kein Dreher. Mein Estonia lag wie auf Schienen. Ich fühlte mich im Regen wie zuhause.
Nach dem letzten Umlauf überquerte ich die Ziellinie mit unglaublichen 38 Sekunden Vorsprung – mein allererster Sieg in der Serie, und das im vierten Meisterschaftslauf meiner ersten Saison!
Hinter den Kulissen – Sekundenpoker vor dem Start
Kurz vor Rennbeginn der Schock:
Das Regenlicht fiel aus – und wir hatten kein Ersatzteil dabei. Mein Vater versuchte hektisch zu reparieren, während ich bereits die Regenreifen montierte und mich umzog. Schließlich rannte ich selbst durchs Fahrerlager – und fand bei einem befreundeten Fahrer ein Ersatzlicht.
Drei Minuten vor dem Vorstart war das Auto fertig. In letzter Sekunde. Und was dann folgte, war das Rennen meines Lebens.
Rennfakten – Regenrennen
- Persönliche Bestzeit: 2:20.837 min
- Zweitschnellste Zeit im Feld: 2:24.481 min
- Zweitplatzierter: 2:24.598 min
- Drittplatzierter: 2:26.635 min
Fazit – Überglücklich und voller Motivation
Mein Ziel war es, solide zu punkten, das Auto heil zu lassen und den Nürburgring als Erfahrung mitzunehmen. Mit einem starken Platz 4 im Trockenen war ich bereits mehr als zufrieden – doch der Sieg im Regen hat alles getoppt.
„Ich liebe es im Regen zu fahren – das Vertrauen zum Auto war sofort da. Mein allererster Sieg – und das auf dem Nürburgring. Ich bin überglücklich.“
Mein Team – allen voran mein Vater und Teamchef – war genauso aus dem Häuschen wie ich. So dominant im Regen zu gewinnen, mit dieser Vorgeschichte, zeigt mir: Wir sind auf dem richtigen Weg.
